|
Die Verzasca, ein glasklares Bergflüsschen, liegt mitten im italienischsprachigen Tessin in der Schweiz, unweit des Lago Maggiore, eingerahmt von hohen Bergen und
Natur pur. Hier scheint die Zeit stillzustehen, unwillkürlich spult sich vor dem inneren Auge der alte Film "Via Mala" ab und man meint, mitten im Geschehen
dabei zu sein.
Weit gefehlt, denn an der Straße entlang der Verzasca sieht man vielerorts Taucher beim anrödeln, werden Hightech - Unterwasserkameras
letzten Checks unterzogen. Es lohnt, die Verzasca nicht nur zu ertauchen, sondern die romantischen Lichtspiele des ausgewaschenen Flussbettes, die gleißend weißen
Felsen in unglaublichen Formen, die hier die Natur des Wassers schuf, über wie auch unter Wasser abzulichten. Wir erleben bei unserem Trip die Verzasca wirklich
handzahm und nahezu still, jedoch warnen Hinweisschilder und verteilte Flyer eindringlich vor den nicht zu unterschätzenden Gefahren. Schnell kann die Schneeschmelze
im Frühjahr oder längere Regenfälle den kleinen Fluss in einen reißenden Strom verwandeln; die ausgewaschenen Felsen zu beiden Seiten sprechen eine deutliche Sprache.
Die Tauchgangsplanung für die Verzasca beginnt also bereits am heimischen PC oder Telefon. Wer sicher gehen möchte, gute Bedingungen vorzufinden, wendet sich
entweder an Tauchbasen vor Ort oder schließt sich wie in unserem Fall einer von der "Tauchperle" in Berg und der Tauchschule "Tauchsport DiveWorld
Geretsried" organisierten Tour an. Getaucht wird in mehreren Gumpen, in denen sich das Wasser deutlich beruhigt zeigt, an verengten Passagen aber
beispielsweise spürt der Taucher aber schon recht deutlich die Kraft des Wassers. Das Verlegen von Sicherheitsleinen ist meist angebracht. "Wie in einer
Waschmaschine," schildern beim abendlichen Essen in unserer Herberge, der Pension "Posse" mit angeschlossener Pizzeria und Flaschenfüllanlage im kleinen
Örtchen Lavertezzo, einige besonders Wagemutige, die sich zu ihrem puren Vergnügen minutenlang durchwirbeln ließen. Jeder findet etwas nach seinem Gusto; Die Verzasca
ist aber vor allem ein besonderes Highlight für Fotografen. Es gibt kaum ein Fotowettbewerb mit Süßwasserkategorie, in dem keine Ansichten der Verzasca
präsentiert werden. Mit durchschnittlichen Tiefen von 3 – 9 Metern und glasklarem Wasser können Fotografen sich hier voll auf ihr Hobby konzentrieren ohne
alle paar Minuten Finimeter und Tiefenmesser im Blick haben zu müssen. Auch ist das natürliche Navigieren, wenn man überhaupt davon sprechen kann, denkbar einfach. Die
Gumpen sind meist überschaubar, zu beiden Seiten rahmen diese ausgewaschene Felswände ein, also wird in der Regel ein einfacher Umkehrkurs getaucht. Bei alledem
sei hier aber auch auf die Probleme und Gefahren hingewiesen. Obwohl das Tauchen hier denkbar einfach ist, darf nicht unerwähnt bleiben, dass Tauchgänge hier dennoch
kein Spaziergang sind. Abgesehen von der erwähnten Möglichkeit auf erhöhte Pegelstände und starke Strömungen, die wir aber im Idealfall von vornherein abgeklärt haben,
müssen Taucher auch noch samt Ausrüstung jene Höhenmeter überwinden, die sich die Verzasca über Jahrtausende ins Gestein hineingearbeitet hat. Je nach Tauchplatz ist
dies entweder ein schmaler Trampelpfad durchs Gestrüpp oder aber eine Kraxelei über Fels und Stein. Es ist daher ratsam, ein gewisses Maß an Kraft und Ausdauer zu
haben. Völlig untrainierte Taucher stoßen hier gerade im Sommer schnell an die Grenzen ihrer Kräfte! Wir tauchen unweit der Pension "Posse". Gleich
gegenüber befindet sich der Einstieg "Posse 1". Durch einen Baumgürtel, entlang der Verzasca, führt ein schmaler und teilbefestigter Pfad, unterhalb geht es
über Felsbrocken und eine kleine, etwas wacklige Leiter weiter. Hier sollte die Kameraausrüstung vorab hinab geschafft werden. Die Ausrüstung kann komplett angelegt
sein, denn der Auf- und Abstieg befindet sich fast vollständig im Schatten. Linkerhand, gegenüber der Pension, befindet sich der Einstieg "Posse 2". Da
hier der schmale Weg überwiegend durch eine Wiese führt, empfiehlt sich bei sonnigem Wetter, die Ausrüstung erst hinab zu tragen und später im Anzug den Weg noch
einmal zu gehen, da die Aktion recht schweißtreibend ist. Einige hundert Meter linkerhand (Richtung Lago Maggiore) von den beschriebenen Einstiegen befindet sich
"Posse 3". Hier geht es recht unwegsam durch den Wald hinab. Empfehlenswert ist die Anfahrt mit dem Auto, es gibt hier Parkmöglichkeiten für etwa 7 Pkw.
Der durch seine romantische Rundbogenbrücke, die bereits auf unzähligen Fotos festgehalten wurde, bekannteste Tauchplatz "Römerbrücke" liegt von der Pension
"Posse" aus etwa 5 Minuten talaufwärts. Hier ist das Parken per Automat kostenpflichtig. Über die Brücke und weiter über ausgewaschene Felsen geht es
zum Einstieg. Auch hier würde ich empfehlen, die Ausrüstung bis auf den Anzug vorher hinunter zu tragen, zumal viele Spaziergänger oder Badegäste gerne einmal im Weg
stehen bleiben. Die Sicht ist in der Regel grandios, klares Bergwasser ist aber auch recht frisch, so dass ein 7 mm Halbtrockener oder eher ein Trockentauchanzug
anzuraten ist. Unterkünfte sind in recht preiswerten Pensionen möglich, oder aber in den wenigen Hotels des kleinen Örtchens. Denkbar ist auch, Tauchgänge in der
Verzasca mit einem Tauchurlaub am Lago Maggiore zu verbinden.
Fazit
Für einigermaßen sportliche Taucher ein Tauchziel der Extraklasse und für
Fotografen ein wahres Paradies für stimmungsvolle Weitwinkelaufnahmen.
Adressen
Ristaurante Posse 6633 Lavertezzo Tel.0041-91-7461796
Bolle Blu
Via Roncchetto 7 6900 Lugano Tel.0041-91-971-10-40
Osteria Verzasca S.Bartalomeo 6632 Vogorno Tel.0041-91-7451597
Scuba-World
Viale G.Motta 2 6500 Bellinzona Tel.0041-91-8256350
|