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Das Jammertal scheint durchschritten zu sein, so kann man die Ergebnisse der boot 2006 interpretieren. Nach einem Rückgang von 9% bei den
Besucherzahlen im vergangenen Jahr hat man nach Feststellungen der Messe dieses Jahr einen Zuwachs von 5% verzeichnen können. Wie immer finden 20% der Messebesucher
den Weg auch in Halle 3, dem Messeplatz, der traditionell dem Tauchsport gewidmet ist.
Nach 2005 gehörte auch 2006 die Halle exklusiv den Anbietern der
Unterwasserszene, von Tauchbasen bis zu den Herstellern. Das Wegbleiben einiger Shops und Hersteller, als prominentestes Label, das sich nicht mehr zeigte sei Scubapro
erwähnt, wurde durch neue Engagements wie die von Cressi und TUSA aufgefüllt – oder durch größere Mindestflächen bei Ständen in Wunschpositionen. Die Planungen
bei MARES sehen nach dem momentanen Stand eine Rückkehr nach Düsseldorf für 2007 vor, wie andere Labels sich entscheiden werden, ist noch offen. Erstmals wieder
zufrieden zeigten sich die meisten Händler. Unterschiede gab es aber bei den Preiskämpfen. Während nach traditionell schwachen Besucherzahlen im Wochenverlauf die
Preise zu purzeln begannen, bremsten manche Messeshops den freien Fall des Warenwerts frühzeitig und erarbeiteten sich so betriebswirtschaftlich notwendige Margen.
Auftrieb bekamen sie auch durch die Besucher der Tauchlehrertagung des VDST, die sich nach längerer Zeit wieder in Düsseldorf trafen. Hochpreisige Ware ist
„in“ und so waren etwa die Repräsentanten der Frankfurter Uhrenmanufaktur SINN vom Geschäftsverlauf sehr angetan. Letztes Jahr noch ein „Hingucker“ als
Prototyp, war heuer das UW-Navigationssystem TAMIN ein Schlager für den Hersteller, der das Gerät seit einigen Wochen ausliefern kann. Auch ENOS, ein Ortungssystem für
Taucher, die den Kontakt zu ihrem Schiff verloren haben durch Strömungen und Seegang, hat sich zum anerkannten Hersteller entwickelt. Immer mehr Basen- und Safariboot
– Betreiber interessieren sich für ENOS oder haben es mittlerweile schon im Einsatz. Fast ein Geheimtipp, da der Importeur der Marke Oceanic seine
Messeaktivitäten in den Stand des Verbands SSI einbezog, ist eine Tauchmaske mit luftintegriertem Computer. Ein echtes Messe – Highlight also, das zum Herbst in
den Markt kommen soll. Olympus, als führender Hersteller von digitalen Kameras mit eigener Gehäusereihe, legte die offizielle Vorstellung der Digi-SLR E 330 in die
Halbzeit der Messe. Zusammen mit dem 8 mm Fisheye – Objektiv und der einmaligen Möglichkeit bei einer SLR – Kamera das Bild schon vor der Belichtung auf
dem Monitor überprüfen zu können, macht diese Kamera zum Leckerbissen für alle UW-Fotografen. Das haben auch einige Gehäusehersteller erkannt und werden ihrerseits
tätig werden um parallel zum transparenten Olympus – Gehäuse Lösungen anbieten zu können, die auch höchste professionelle Ansprüche erfüllen
können. Bei den Herstellern von Taucherhandlampen und Videolicht rückt die Technologie der Lithium – Ionen – Zellen immer mehr in den
Mittelpunkt ihrer Entwicklungen, nachdem in Brüssel das Aus für die Nickel – Cadmium – Akkus beschlossen wurde und diese Zellen nur noch in wenigen, meist
medizintechnischen Geräten verwendet werden dürfen. Positiver Effekt dieser EU-Verordnung: Es sind heute Leuchten realisierbar, die bei halber Größe die gleichen
Leistungsdaten aufweisen wie ihre NiCd oder NiMH – Brüder. Anfängliche Schwarzmalerei über die nicht ungefährliche Lithium – Ionen Zellen, die bei
Wasserkontakt heftig reagieren könnten, sind nach ausführlichen Tests von verschiedenen Lampenherstellern als so nicht haltbar widerlegt worden, was den Siegeszug
dieser Akkus nun einläutet. Erfreulich ist der erkennbare Ansatz wieder mehr Farbe in die Tauchausrüstung zu bringen. aquata reagierte mit einer neuen
Kollektion im neuen Design, auch Mares schlägt langsam diesen Weg ein, TUSA stimmt Neopren – Badeanzüge farblich auf ein hochwertiges ABC – Set ab. Auch
wenn es schon seit längerer Zeit das Jahr über still um das Label SEAWAY geworden war und nur großflächige Präsenz auf der boot als Lebenszeichen ins Auge stach, hat
man sich nun mit einem ehrgeizigen Projekt, dem für jedermann erschwinglichen Rebreather, ins Licht des Szeneinteresses zurückgebracht. Das Grundmodell soll etwa
€ 1800,- kosten und besticht als echtes Leichtgewicht. Die Gegenlunge ist außen platziert und es kann jedes handelsübliche Jacket benutzt werden. Von der
herkömmlichen Produktlinie mit ABC – Artikeln und Nasstauchanzügen hat sich SEAWAY verabschiedet, Jackets, Atemregler und Trockenanzüge, durchaus auch mit dem
Blick auf die Tec – Kundschaft, sollen nun das Kerngeschäft markieren. Viel Interesse verzeichnen die Hersteller von hochwertigen UW-Gehäusen für
Digitalkameras. Wie immer sind Gehäuse für jene Typen am gefragtesten, die gerade erst die Markteinführung erlebten oder noch vor der ersten Auslieferung stehen. Die
Top – Hersteller haben es seit Etablierung der digitalen SLR –Technik nicht leicht die – vor allem internationale – Nachfragen ad hoc zu
befriedigen. SUBAL, SEACAM, SEALUX und UK-GERMANY machen seit Monaten Überstunden um zeitnah liefern zu können. Allerdings ist die Inlandsnachfrage hier noch immer
stockend und früher übliche Käufe auf der Messe werden zu Geschäftsanbahnungen, die im Laufe des Jahres zum Auftrag führen. Die Nachfrage für Videogehäuse hat
aktuell nicht die Stärke wie in Zeiten vor Einführung der digitalen Fotografie. BS Kinetics und die Fa. Bruder / Mediasub verbuchen aber immer noch einen starken
Videomarkt für sich. Mit Einführung von HDV, dem hoch auflösenden Videostandard, wird sich der Markt aber sicher wieder beleben, denn mit Camcordern dieser Technologie
lassen sich auch Fotos aufnehmen, die die Ergebnisse hochwertiger digitaler Fotokameras durchaus erreichen. Überhaupt sah man schon an manchen Ständen hervorragend
produziertes HDV – Material, wie etwas bei Milan Czapay / Sealux, Roscher Tauchreisen (auf einer großen Leinwand, produziert von David Hettich) oder im HDV
– Kino, in das sich aber nicht die großen Besucherströme verirrten und wer sich die Projektion dort nicht angesehen hatte, der verpasste eine einmalige
Gelegenheit den unvergleichlich hohen Videostandard mit eigenen Augen auf sich wirken zu lassen. Neben allem Kommerz sind die von Jahr zu Jahr zunehmenden
Aktivitäten von Tier- und Umweltschutz - Organisationen nicht mehr zu übersehen. Allen voran zeigt Sharkproject, wie man das Interesse an ihren Zielen zum umfassenden
Haischutz wecken kann. Dr. Erich Ritter und Gerhard Wegner sind von den Besuchern stark umworbene Leitfiguren. Aufsehen erregend am Stand von Sharkproject das offene
U-Boot für zwei Taucher, mit dem man versuchen wird die Verhaltensweise des Weißen Hai auf kurze Distanz zu erforschen, inklusive Paarung und
Geburtsvorgang. SOS Meereschildkröten, PADI AWARE, Yaqu Pacha, die Gesellschaft zur Rettung der Delfine, diese stehen stellvertretend für
noch einen Reihe weiterer Organisationen, die sich um den Schutz der Meere und ihrer Bewohner verdient machen und auf der boot ausstellten. Neben den Vertretern der
nationalen Tauchsportpresse gab es diesmal auch Stände aus dem Ausland. Ein russisches Magazin und „Aqua“ aus Italien machten auf ihre Publikationen aufmerksam.
Die boot 2007 findet vom 20. – 28. Januar statt. Hält die allgemeine positive Stimmung in der Wirtschaft an, dann könnte sie für die Tauchsportbranche
einen positiven Wendepunkt markieren. Doch um dieses Messeziel zu erreichen muss auch der Veranstalter einsehen, dass realitätsfern angehobene Kalkulationen für
Ausstallungsflächen im Tauchsportbereich, einem überwiegend von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägten Umfeld, nicht mehr getragen werden können. Nur dann
kann der Besuch in Halle 3 ein „Renner“ bleiben, wie es im abschließenden Bericht zur boot 2006 von der Presseabteilung der Messe formuliert
wurde.
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