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STARTSEITE PORTRAIT Portrait Alexandr Hoesch

Wissenschaft & Video

by Michael Goldschmidt

Das Biologiestudium als Schlüssel zur Unterwasserwelt genügt heute nicht mehr allein, um Beruf und Interessen miteinander zu verbinden. Die Lage am Arbeitsmarkt ist für diplomierte Biologen schon seit langer Zeit nicht besonders rosig, So bedarf es aussergewöhnlicher Qualifikationen und auch diverser Zufälle, um eine Nische zu eröffnen, wie es Alexandra Hoesch gelang. Geht es um Gewässeruntersuchungen, Sanierungskonzepte, Gewässer-Kartierungen oder Videodokumentationen von Gewässern vor und nach der Sanierung, ist diese Frau der richtige ”Mann”. Und es ist nicht immer leicht in einer Branche zu arbeiten, die klassisch in der Mehrzahl von Männern besetzt ist.

Das Element Wasser hatte für Alexandra Hoesch, die im Sternzeichen Wassermann 1964 in St. Gallen geboren wurde, schon immer eine besondere Bedeutung. Immer orientiert an Themen mit Bezug zum Wasser, das findet sich durchgängig im Lebensweg der Wissenschaftlerin. Aufenthalte in Kanada und Italien während ihrer Schulzeit legten bereits den Grundstein für eine internationale Ausrichtung ihrer späteren Berufsjahre.

Nach dem Biologiestudium an der TU in München brachte sie ein erster Werksvertrag an der Universität der Bundeswehr mit dem Arbeitsbereich “Wasser- untersuchungen” in Berührung. Dem folgte ein längerer Aufenthalt in Malaysia, der ausschliesslich privaten Studien zum Thema Wasser diente. Mangels Gerätetauchausrüstung wurden unzählige Stunden schnorchelnd im Wasser verbracht. Danach folgte wieder an der TU München die Diplomarbeit mit dem Titel: Kationenaus- tausch bei Torfmoosen. Das Diplom wurde 1991 abge- schlossen mit

den Hauptfächern Gewässerkunde und den Nebenfächern Fischereibiologie und Botanik. Im gleichen Jahr absolvierte sie die Ausbildung zur Forschungstaucherin, die auch in die biologische Anstalt von Helgoland führte. Wer bei Tauchermeister Schilling, dem bärtigen Exbayern, vor Deutschlands einziger Hochseeinsel getaucht ist, der ist fit für Tauchgänge in nahezu allen Oberflächengewässern (davon konnte sich der UnterWasserWelt Chefredakteur schon selbst überzeugen, Anm. d. Redaktion).

Im gleichen Jahr arbeitete Alexandra Hoesch mit an einem Projekt der Technischen Universität, Abteilung Geologie / Sedimentologie, bei dem anhand von Unterwasserproben - Entnahmen und Untersuchungen von Schalen kleinster Muscheln Rückschlüsse auf die Temperaturen in der Frühgeschichte der Erde gezogen werden sollten. Doch wichtiger war fast nach der Forschungstauchausbildung mit der UW-Kartierungstechnik in Kontakt zu kommen, die von Prof. Melzer an der TU München entwickelt wurde umd in der Aussenstelle der TU, in malerischen Iffeldorf, in den unter Naturschutz stehenden Osterseen praktisch demonstriert wurde. Mit der Tauchgruppe von Prof. Melzer folgte die erste Feldarbeit, die Kartierung des Kochelsees.
 
Vom Projekt der Uni wechselte Alexandra Hoesch für weitere Kartierungsarbeiten im Kochelsee zu einem Privatunternehmen, das aktuell wieder Auftraggeber für umfangreiche Gewässerunter- suchungen ist.

Der Begriff Kartierung steht für ein Untersuchungsverfahren, bei dem vorwiegend die Uferzonen von Gewässern erfasst werden. Hierbei bestimmt die Vegetation die größte

Tauchtiefe, die nur in besonders klaren Gewässern bis etwa 15 Metern reicht. Die Menge der Arten und deren Qualiät wird bestimmt, was sichere Rückschlüsse auf die Qualität und aktuelle Situation des Gewässers zulässt. Kommt eine bestimmte Pflanzenart, die für die Wasserreinheit von besonderer Bedeutung ist, nur selten vor oder überziehen schnellwachsende Grünalgen grossflächig die Wasserpflanzen und ersticken alles andere Leben, ist das Sediment schwarz verfärbt und haben sich Wolken von Schwefel gebildet, dann wird aus dem Kartierungsprojekt schnell ein Sanierungsprojekt, bei dem geeignete und dem jeweiligen Gewässer angepasste Lösungen erarbeitet werden müssen. Natürlich können nicht alle Pflanzen allein durch Augenschein identifiziert und zugeordnet werden, dazu muss oft auch eine Probe im Mikroskop untersiucht werden. Erst wenn alle gesammelten Daten zur Verfügung stehen und entsprechend ausgewertet, kann ein Gewässer insgesamt beurteilt werden. Diese Arbeit erfordert Geduld, ausgezeichnetes Fachwissen und einen warmen Tauchanzug, damit die vielen Stunden Feldarbeit in den meist frischen bis kalten Gewässern auszuhalten sind.

Im Jahr 1992 leitete sie ein Projekt der Schweißfurt-Stiftung in München zum Thema “Energetisierung von Wasser”. Im folgenden Jahr begann eine ausgedehnte Tauchkartierung zur Erkundung der Vegetation (Makrophyten) in brandenburgischen Seen, im Auftrag des Landes Brandenburg. Der erste hier betauchte See, der Liepnitzsee, im Norden Berlins, ist ein beliebter Ausflugssee aber trotzdem noch ziemlich klar. In insgesamt drei Jahren Kartierungsarbeit in Brandenburg wurden mit der von Alexandra Hoesch gegründeten Tauchgruppe “Aquarius” 290 Uferkilometer abgetaucht. Bis zu 14 Taucherinnen und Taucher zählte die Gruppe am Großen Wummsee, deren Stärke im Normalfall bei etwa 6 Mitarbeitern liegt. Eine enorme organisatorische Aufgabe verbunden mit einer besonderen psychischen Belastung, wie sie selbst sagt, da die Klarheit des Wassers sich Vegetation bis 13 Meter Wassertiefe entwickeln lässt. Das begründet hier die grosse Zahl an Kartierern. Der Abschluss der Untersuchungen im Jahr 1996 bedeutete aber nicht, dass die Menge der gesammelten Daten auch einer Verwertung zugeführt worden wäre. So setzt sich Alexandra Hoesch auch heute noch für die Umsetzung der Ergebnisse des “Artenschutzmonitoring in Brandenburg” ein.

Der Studien immer noch nicht genug, schloss sich jetzt ein Aufbaustudium “Umweltschutztechnik” an, das bis 1998 dauerte. Im gleichen Jahr ergab sich die redaktionelle Mitarbeit beim Bayerischen Fernsehen für ein Donau-Filmprojekt.

Die Arbeit im Fernsehbereich setzte sie fort als Kameraassistentin einer TV-Produktion des Kinderkanal. Das war der Anstoss sofort eine eigene digitale Videoausrüstung zu kaufen (Sony VX 1000, Recorder usw), da neben spontaner Begeisterung erkannt wurde, welche Möglichkeiten sich mit diesem Medium bieten. Endlich können die faszinierenden Erlebnisse unter Wasser auch dokumentiert werden, neben der optischen Information für die Auftraggeber von Kartierungs- bzw Sanierungsprojekten. Vergleiche und Langzeitdukumentationen sind nun endlich möglich, nachdem die Videotechnik im Amphibico VH 1000 Gehäuse eingesetzt ist und mit Licht von MarinSolar ergänzt.

Seit Herbst 1998, mit Unterbrechung im Winter, ist Alexandra Hoesch vorrübergehend zur Wahlwienerin geworden. Wien ist der Ausgangspunkt eines Sanierungs- und Kartierungsprojekts, das die wiener Firma Systema GmbH an der Donau und deren Seitengewässer durchführt. Dazu wurde auch im Mai 1999 eine Videoproduktion fertiggestellt (Aufnahme, Schnitt, Nachbearbeitung), die den Sanierungserfolg durch Makrophytenpflanzungen an Badegewässern bei Laxenburg dokumentiert.

Im Winter hatte Alexandra Hoesch in freier Mitarbeit ein Unterwasser-Filmprojekt auf dem Forschungsschiff Aldebaran vor den Kanarischen Inseln begleitet.

Mittlerweile verlegt sich das zunächst auf das Süsswasser ausgerichtete Betätigungsfeld aufgrund einer Reihe von Aufträgen und Angeboten in die marine UW-Welt. Für den Herbst laufen die Planungen Schatztaucher auf einem Schiff vor den Kapverden mit der Kamera zu begleiten. Zusammen mit einer Assistentin - nie wieder als Frau allein auf einem Schiff nur mit Männern - werden dort Filme zu Demonstrations- und Werbezwecken produziert, die die Schatztaucher bei ihrer Arbeit und die Gesamtsituation vor Ort schildern.

Biologie, Umweltschutz, Videotechnik, Tauchen das ist eine interessante Mischung, die zu einem noch interessanteren Beruf zusammenführt. Hier ist keine 38,5 Stunden Woche und ein sortierter Schreibtisch der Rahmen der Arbeit, hier ist Knowhow, Flexibilität und Geduld gefragt. Mögliche Einsatzorte: Weltweit; mögliche Projekte: Alles was mit Tauchen, Biologie und Videofilm zusammenhängt.

Kontakt: eMail Xhoesch@aol.com 

Website www.aquarius-live.de

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