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Jürgen Pastorino

Jürgen Pastorino

Wie ernst müssen sich Sporttaucher eigentlich geben?

Ich weiß nicht, wann Menschen erstmalig die Unterwasserwelt besucht haben, die ersten theoretischen Eindrücke wurden mir durch den Film Xarifa von Hans Hass vermittelt doch erst im Jahre 1972 lernte ich selbst Tauchen mit Gerät und begriff sofort den Reiz, den das „Unter-Wasser-sein“ auf uns Menschen ausübt. Heute, viele Jahre später, habe ich mit jungen Tauchern zu tun, die zu den Ursprüngen zurück wollen. Nur mit dem Allernötigsten ausgerüstet, Anzug, Maske, Flossen, Schnorchel und Bleigurt steigen die Apnoe - oder Freitaucher ins Wasser und erzählen hinterher mit glänzenden Augen, von Strecken oder Tiefen, die sie ohne Luft zu holen im Wasser zurückgelegt haben.
Beim Besuch eines sächsischen Steinbruchs, erlebte ich etwas Merkwürdiges: Sporttaucher zogen sich mit sehr ernsten Gesichtern mehrheitlich schwarze Anzüge und Stiefel an und behängten sich mit den üblichen Utensilien. Mit genau so ernsten Gesichtern stiegen sie ins Wasser und ebenso ernst wirkten sie nach dem Tauchgang.
Daneben gab es eine Gruppe, vorwiegend junger Leute, bekleidet mit Badehose oder Bikini, die lachend und jauchzend ins Wasser sprangen. Sie schwammen, tauchten und waren alle fröhlich. Beim Springen von der Steilwand überboten die jungen Mädchen die männlichen Kollegen. Es war ein wunderschöner Tag, warm und sonnig, ich freute mich über diese fröhliche Gesellschaft und wunderte mich über die Ernsthaftigkeit, mit der die Sporttaucher ihrer Passion nachgingen.
Ich habe niemanden nach seinem Befinden gefragt, stumm ließ ich alles auf mich wirken. Nun nach einigen Tagen des Nachdenkens habe ich eine mögliche Erklärung gefunden; das Gerätetauchen scheint wirklich eine so ernsthafte Angelegenheit zu sein, sodass man sich dabei zumindest äußerlich nicht freuen kann. Oder ist es umgekehrt, schlägt die fast vollständig schwarze Ausrüstung den Tauchern aufs Gemüt? 
Sei es wie es sei. Bereits eine Woche vorher hatte ich etwas Ähnliches erlebt. Bei einem Treffen vieler Apnoetaucher erschienen mir die meisten auch sehr ernst zu sein, nur eine kleine Gruppe fiel auf, ihre Anzüge waren farbiger und sie wirkten viel entspannter, auch einen Spitznamen hatten sie bereits; schaut, da kommen die „Feuerwehrtaucher“.
Liebe Taucher, denkt doch mal über euch selber nach, kann man das Tauchen nicht etwas fröhlicher gestalten, schließlich ist das doch euer Hobby? Oder verhindert die Konzentration auf die Tauchgänge alle Fröhlichkeit? Oder sehe ich das alles viel zu schwarz? 
Zum Schluss eine ernst gemeinte Bemerkung: Alle Sicherheitsausrüstungen von Wassersportlern über Wasser sind gelb, rot oder orange, weil sie im Notfall besser zu sehen sind. Wenn also der Tauchsport ein „ernsthafter“ Sport ist, sollte er farblich nicht nachstehen, der Sicherheit wegen.

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