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Dynamitfischerei
Dynamitfischerei ist, betrachten wir nur die uns „benachbarten“
Meeresregionen, in weiten Teilen des Mittelmeeres, obwohl praktisch in allen Anrainerstaaten bei Strafe verboten, ein nicht ausrottbares Übel.
Zwar haben Strafandrohung und
Überwachung, aber auch die Einsicht der Fischer in die langfristige Schädlichkeit dieser „Fangmethode“ für Ihre eigene Zukunft die Dynamitfischerei stark zurückgedrängt,
aber nach wie vor wird mit diese illegale Methode von einzelnen verantwortungslosen Gesellen angewendet.
Statt sich der Mühe zu unterziehen, nach den üblichen Methoden mit
Netzen zu fischen, verwenden sie Explosivstoffe, zumeist Stangendynamit, die sie möglichst inmitten georteter Fischschwärme zur Explosion bringen und alle tot aufschwimmenden
Fische an der Wasseroberfläche „abschöpfen“.
Sind schon manche Formen der erlaubten und regulären Fischerei nicht immer ökologisch nachhaltig, wirkt sich diese Art
der „Fischerei“ geradezu verheerend auf die Fischbestände aus:
Alle, aber auch alle Fische, die sich im unmittelbaren Wirkungsbereich der Explosion befinden, werden
davon getötet oder – in weiteren Entfernungen – betäubt. Dies trifft unterschiedslos zum einen alle Fischarten, also auch die, die bodennah leben und von einem Netz
nicht erfasst würden. Schlimmer noch, auch Fische aller Größen, also auch „unverwendbare“ Kleinfische und Jungtiere bis hin zur Brut, die normal durch die Maschen der
Netze schlüpfen würden (es gibt genau darum international gültige Vorgaben für die Maschengrößen der Netze für die verschiedenen Fangtechniken), fallen der Wilderei zum Opfer.
Damit werden die Bestände aufs Äußerste geschädigt und dezimiert, was mittel- bis langfristig den Fischern ihre Existenzgrundlage vernichtet.
Nicht nur aber, dass dieser
Methode eine ungeheure Menge sogenannten „Beifangs“, also unbrauchbaren, bzw. nicht einbringbaren Fangs zum Opfer fällt, sie ist auch nicht sehr effektiv: Nur die Fische
nämlich, die gerade soweit vom Explosionszentrum entfernt sind, dass sie entweder betäubt oder getötet werden ohne dass die Schwimmblase platzt, schwimmen nach der Explosion zur
Oberfläche auf. All jenen Fischen jedoch, die zu nah am Zentrum der Explosion waren, wird die luftgefüllte Schwimmblase zerrissen – sie sinken zu Boden.
Wirkung einer Unterwasserexplosion
Was geschieht eigentlich bei solch einer Explosion unter Wasser?
Prinzipiell
wirkt eine Explosion unter Wasser wie an Luft: Das Explosivmaterial erzeugt bei seiner Detonation eine große Menge heißen Gases, das sich mit rasanter Geschwindigkeit ausdehnt und
zu einer Schock- bzw. Druckwelle führt. Diese setzt sich rund um den Explosionsherd mit etwa Schallgeschwindigkeit fort. Was diese Druckwelle schon in der Luft anrichten kann,
weiß jeder – die Zeitungen bieten Beispiele leider reichlich.
Gewaltiger ist die Wirkung im Wasser auf kurze Distanz. Auch hier entsteht um den Explosionsherd eine
gewaltige Druckwelle, die sich im Wasser allerdings mit fast fünffach höherer Geschwindigkeit als in Luft ausbreitet. Da Wasser jedoch nicht kompressibel, gewissermaßen also
„härter“ als Luft ist, trifft die Druckwelle auch härter auf.
Solange diese Druckwelle auf keine Hindernisse trifft, läuft sie sich – wie auch an
Luft irgendwann „tot“. Trifft sie allerdings auf ein Hindernis, so kann sie u. U. ihre zerstörerische Wirkung entfalten. Ist das Hindernis ein massives Material, so wird es
die Druckwelle je nach mechanischer Beschaffenheit absorbieren, also aufnehmen und vernichten oder nach hinten weiterleiten.
Trifft sie allerdings auf ein Hindernis, das so
gebaut ist, dass es der Druckwirkung nicht standhalten kann, so wird es von der Druckwelle mehr oder weniger verformt werden. Diese Wirkung ist in Wasser stärker als an Luft, da
der betroffene Körper hier praktisch nicht, wie an Luft von der Druckwirkung „zurückgeworfen“ werden kann, was einen Teil der Druckwirkung absorbiert. Vielmehr wirkt das
Wasser als Verdämmung, wie eine Wand, an die der Körper gepresst wird. Besonders anfällig sind die Hüllen um luftgefüllte Hohlräume, wie eben zum Beispiel die Schwimmblase eines
Fisches. Der Körper des Fisches wird um die luftgefüllten Hohlräume herum kurzzeitig zusammengedrückt, was, je nach Stärke der Druckeinwirkung, mehr oder weniger starke
Verletzungen des Tieres zur Folge hat. Betäubung oder Tod durch innere Verletzungen können die Folge sein.
Und beim Menschen??
Sollte ein Mensch, z. B. beim
Tauchen, das Unglück haben, in einen solchen Explosionsherd zu geraten, erleidet er das selbe Schicksal: Als luftgefüllte Räume führt ein Taucher natürlich sein
Lungenvolumen, aber auch luftgefüllte Kopfhöhlen und das Luftvolumen in seiner Tauchermaske unter Wasser mit sich. Auf all diese Hohlräume kann die Explosion ihre zerstörerische
Wirkung ausüben. Je nach Stärke der Druckwelle werden sich verschiedene Verletzungen ergeben, bzw. bei großer Wucht alle zusammen in augenblicklicher Abfolge:
Die
Druckwelle wirkt für einen Moment wie eine Erhöhung des umgebenden Wasserdrucks durch zunehmende Tauchtiefe. Der Schädelknochen umschließt die Lufträume im Kopf zwar recht stabil,
ist aber an den Ohren mit den mechanisch sehr empfindlichen Trommelfellen abgeschlossen. Fast jeder kennt das Druck- und Schmerzgefühl in den Ohren, wenn man im Wasser
abtaucht. Dieser Schmerz wird durch den steigenden Wasserdruck auf die Trommelfelle der Ohren verursacht, lässt aber sofort nach, wenn der sogenannte „Druckausgleich“
durchgeführt wurde. Da ein Druckausgleich bei der Explosionseinwirkung aber nicht möglich ist, werden die Trommelfelle beider Ohren platzen. Der Taucher wird durch den
Temperatursturz und das eindringende Wasser schlagartig orientierungslos, eventuell auch gleich bewusstlos – ein Ertrinkungstod ist jetzt schon wahrscheinlich. Der
Brustkorb als großer luftgefüllter Hohlraum wird wie von einer Dampframme zusammengepresst mit bis zu schwersten inneren Verletzungen als Folge, die der Taucher kaum mehr
überleben kann. Schließlich kann das Glas der Tauchermaske dem Druck nicht mehr standhalten und bersten. Dies hat weitere Verletzungen und Druckwassereinbruch in die Atemwege
zur Folge. Natürlich ist es höchst unwahrscheinlich, dass ein Taucher, ein Sporttaucher zumal, in solch eine tödliche Gefahr gerät. Aber, wie wir leider aus aktuellem Anlass
feststellen müssen, Kriminelle, die aus Habgier vor nichts zurückschrecken, ja, glaubt man den Berichten, sich nicht einmal von der unmittelbaren Anwesenheit von Zeugen
abschrecken lassen, haben vor wenigen Tagen einen solchen Unfall verursacht, bei dem zwei Taucher zu Tode kamen.
Hier sind alle Verantwortlichen aufgerufen, wirksame Mittel
und Wege zu finden, solchem Treiben einen Riegel vorzuschieben, damit sich so etwas nie wieder ereignen kann.
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